„Mit Freude umgürtet“
(2016)

 
Liebe Schwestern und Brüder,

am Schluss der Seligpreisungen forderte Jesus die Menschen, die ihm zuhörten, auf, sich zu freuen: "Freut euch und Jubelt!" Das sagte er, obwohl er gerade von der Möglichkeit der Verfolgung gesprochen hatte. Die Botschaft, die Jesus in Galiläa, in Jerusalem und im ganzen Land verkündete, bezeichnete er selbst als "frohe" Botschaft. Er übernahm das von Propheten Jesaja. Dort ist es der Ruf des Boten, der dem volk die befreiende Zuwendung Gottes verkündet.


Vom volk Israel haben die Christen den Ruf "Halleluja" übernommen. Zu deutsch heißt das nur: "lobreist Jahwe!" Der Ruf hatte aber eine Geschichte. Denn immer wenn die Israeliten aus einer Bedrohung oder einer Unterdrückung herausgeführt worden waren, brachen sie in Halleluja-Rufe aus. Es war der Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber Gott, der als Retter erfahren worden war, und zugleich ein Zeichen der Freude über das wiedergewonnene Leben. Daher ist es gut verständlich, das die Christen ihre Freude über die Auferstehung Jesu in dieses Wort und einen Jubel mit diesem Ruf fassten. Allejuja bedeutet also Freude darüber, dass Jesus auferstanden ist, zu Gott erhöht wurde und uns jetzt Anteil an seinem neuen Leben gibt. Denn die Gabe des Heiligen Geistes ist in Wirklichkeit ein Anteil an seinem Leben.

 

Jesus brachte bei seinem Auftreten in Galiläa Freude in das Leben aller, die ihm aufrichtig begegneten. Er heilte zum Zeichen seiner Sendung viele Menschen, Doch beseitigte er das Leid nicht ganz und gar. Er verharmoste auch nicht das Unrecht und die Schrecken des Lebens, vor denen man Angst hat. Er brachte aber den Menschen eine neue Art von Leben als Geschenk von Gott. Das hat er in seinem eigenen Leben erfahren: Er hat das Leid seiner Hinrichtung angenommen und es mit dem Gebet  für alle Menschen vor Gott gebracht. Auferweckt von den Toten, hat er den Menschen den Weg ins neue Leben geöffnet. Das ist auch heute ein Grund zur Freude. Das Leitwort für das Pilgern im Jahr 2016 verweist uns also auf die Mitte unseres Glaubens: das Geschenk des neuen Lebens, das stärker ist als die Mächte, die unserem Leben schaden, und stärker als der körperliche Tod.

 

Das Jahreswort ist aus Psalm 30 genommen. Der Sänger dankt für die Überwindung der tödlichen Bedrohung: "Du hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet." In dem Bild steckt also auch das Festgewand. Das Umgürten hatte damals eine besondere Bedeutung. Wegen der weiten Kleidung, musste man sich gürten, um richtig gehen und arbeiten zu können. Gürten bedeutet also auch: zu etwas fähig zu sein.

 

In der heutigen Zeit mit den bekannten Entwicklungen in der Kirche ist die Besinnung auf die Freude aus dem Glauben besonders wichtig. Zu stark ist noch in unseren Gemeinden die Trauer wegen Veränderungen im Leben der Gemeinden und wegen eines verbreiteten Verhaltens der Distanzierung von der Kirche in der Gesellschaft. Das darf nicht das Klima beherrschen, wenn Christen sich versammeln. Erst recht sollte nicht eine Stimmung vorherrschen, die von Angst vor künftigen Ereignissen bestimmt ist.

 

Jesus hatte für die Freude, die in der Gemeinschaft mit ihm entsteht, noch ein anderes Bild: "Wer  von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt" (Joh 4,14)
Dazu gehört die Verheißung des Propheten Jesaja: "Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils" (Jes 13,3).

 

Den Pilgerinnen und Pilgern sei schon Freude geschenkt, wenn sie die Worte Jesu und der Propheten in ihre Besinnung aufnehmen, auf der Suche nach den Quellen des Heils.

 

Bruder Athanasius